Wildes Faschingstreiben in der steirischen Krakau


„Heimatleuchten: Damische Tage in der steirischen Krakau“ am Fr., 07.02., ab 20:15 Uhr auf ServusTV

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ServusTV

Auffallend ist, dass in der Krakau vor allem die Jungen uraltes Brauchtum mit großer Leidenschaft weitertragen und immer wieder zu neuem Leben erwecken. Eine dieser alten Traditionen ist das Faschingsrennen, welches das Ende des Winters ankündigt. Die verschiedenen Ortsteile wechseln einander ab, alle zwei Jahre ist ein anderer Ort an der Reihe. Wochenlang bereiten sich die Bewohner der Region mit zunehmender Aufregung auf das Ereignis vor. Am Rosenmontag, dem „damischen Montag“, wie die Einheimischen sagen, geht das große Treiben schließlich los. „Heimatleuchten“ begleitet das wilde Spektakel.

Schillernde Gestalten und tragende Rollen
Dabei hat jeder einzelne des 80 Mann starken Tross seine ganz besondere Aufgabe. Angeführt wird die Gruppe vom sogenannten „Wegauskehrer“, Christian Würger, der mit seinem selbstgebundenen Besen alles Schlechte wegkehrt. Dahinter laufen die „Schellfaschinge“ – bekleidet mit kurzer Lederhose, einem Schellenkranz sowie einer bunten Spitzkappe. Die „Glockfaschinge“ tragen anstelle der Spitzkappe einen Steirerhut und Kuhglocken. Der so genannte „Heanagreifer“ Christof Siebenhofer, dessen schillerndes Gewand aus tausenden Vogelfedern besteht, trägt einen imposanten Habicht auf dem Kopf. Er hat die Aufgabe zu kontrollieren, ob der Bauer Hafer und Eier bereitgestellt hat. Eine weitere Hauptfigur des Faschingrennens ist der „Rossknecht“ Erwin Siebenhofer mit seiner Peitsche, der, unterstützt vom „Schmied“ und vom „Schinder“, jedem Bauern und jeder Bäuerin mehrmals sein Ross andrehen möchte.

Ein Faschingszug in Marathon-Distanz
Es wird ein langer, anstrengender Tag für die Faschingsrenner: Bereits im Morgengrauen versammelt sich die bunte Truppe aus Spitzhut- und Schellenträgern zum Gebet, ehe sie unter wildem Gejohle zu einem Dauerlauf durch das weitläufige Tal aufbrechen. Denn sie müssen im Laufe des Tages jedem einzelnen Haus einen Besuch abstatten. Dabei stellt jeder Hof auch eine neue, sportliche Herausforderung dar. Erst wenn die Burschen die etwa zwei Meter hohe Kette, die so genannte „Speng“, mit Hilfe eines langen Stockes überwunden haben, dürfen sie hinein. Vor jedem Heim laufen die Schellfaschinge ein „Radl“, während die „Glockfaschinge“ dazu mit ihren Kuhglocken großen Lärm veranstalten. An jedem Hof wiederholt sich dieses Ritual. Fast 50 Kilometer legen sie an diesem Tag zurück. Abends, wenn Mesnerin Resi Klingspigl zum Gebet läutet, müssen sie fertig sein, sonst holt den ganzen Tross der Teufel – so will es die Sage.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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