VCÖ: Anzahl der Zweitautos in der Steiermark seit 2000 mehr als verdoppelt

VCÖ fordert mehr Bahn und Bus sowie bessere Rad-Infrastruktur für Regionen

VCÖ (Wien, 18. Oktober 2019) – Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Zweitautos in der Steiermark mehr als verdoppelt, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Bereits 273.842  Zweit- und Drittwagen gibt es in  der Steiermark. Im Bundesländer-Vergleich hat die Steiermark pro 1.000 Haushalte die fünftmeisten Zweitautos. Der VCÖ sieht die kommende Bundesregierung gefordert, die Regionen beim Ausbau des Öffentlichen Verkehrsangebot und der Rad-Infrastruktur stärker zu unterstützen. Nötig ist zudem eine verkehrssparende Raumordnung, die die Ortskerne und die Nahversorgung stärkt und die Zersiedelung stoppt.

Die Zahl der Zweit- und Drittautos hat in der Steiermark in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. Im Jahr 2000 hatten die steirischen Haushalte 122.563Zeitwagen, heute sind es bereits über 273.000 Zweit – und Drittautos. Allein seit dem Jahr 2016 sind weitere 24.250 Zweitwagen dazugekommen, macht der VCÖ aufmerksam. 

Eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt, dass in der Steiermark auf 1.000 Haushalte bereits 503 Zweitwagen kommen. Das ist im Bundesländer-Vergleich die fünfthöchste Zahl. Am höchsten ist die Zweitwagen-Dichte im Burgenland mit 653, gefolgt von Niederösterreich (547), Oberösterreich (532) und Kärnten (509). Auffallend ist, dass in den westlichen Bundesländern die Zahl der Zweitwagen deutlich niedriger ist. In Vorarlberg sind es 342 Zweitwagen pro 1.000 Haushalte, im Land Salzburg 339 und in Tirol 337. 

„Zweitwagen waren vor 20, 30 Jahren ein Zeichen von Wohlstand. Heute ist ein hoher Anteil von Haushalten mit Zweitwagen vor allem ein Indiz von Mangel. Ein Mangel an Nahversorgung und an öffentlichen Verkehrsverbindungen“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. Die Mobilitätsprobleme der Regionen sind häufig auch die Folge der Zersiedelung. Ortskerne und Nahversorgung wurden in der Vergangenheit vernachlässigt, Supermärkte und Wohnsiedlungen entstanden an Orten, die oft nur mit dem Auto gut erreichbar sind. 

Die steirischen Zweitwagen werden im Schnitt nur rund 7.270 Kilometer pro Jahr gefahren, sie sind damit im Schnitt 23,5 Stunden am Tag „Stehzeuge“, informiert der VCÖ. Zweitwagen belasten das Haushaltsbudget und benötigen viel Platz. Alle steirischen Zweitwagen sens aneinander gereiht ergeben eine rund 1.300 Kilometer lange Autokolonne – das entspricht der Distanz von Graz nach Paris.

Der VCÖ sieht die kommende Bundesregierung gefordert, die Regionen beim Ausbau des öffentlichen Verkehrsangebots viel stärker als bisher zu unterstützen. Einerseits ist ein dichteres Öffentliches Verkehrsnetz nötig, zum anderen braucht es aufgrund der zunehmenden Flexibilisierung der Arbeitszeiten auch außerhalb der klassischen Pendlerzeiten häufigere Bahn- und Bus-Verbindungen. 

„Österreich kann seine Klimaziele nur erreichen, wenn auch die Regionen ein deutlich besseres öffentliches Verkehrsangebot erhalten“, betont VCÖ-Experte Gansterer. „Bei Verfehlen der Klimaziele fließen Milliarden Euro in Zertifikationszukäufe und Strafzahlungen. Geld, das in mehr Bahn- und Busverbindungen sowie den Ausbau der Rad-Infrastruktur deutlich besser investiert ist.“ 

Weiteres Manko in vielen Regionen: Fehlende Rad-Infrastruktur. Vier von zehn Autofahrten in den Regionen sind kürzer als fünf Kilometer. Eine Distanz, die viele mit dem Rad fahren können, vorausgesetzt es gibt Radwege. Zu oft sind Siedlungen mit dem nächstgelegenen Ort nur mit einer Freilandstraße verbunden, wo Lkw und Pkw 80 km/h oder schneller fahren. Der Ausbau der Infrastruktur für den Alltagsradverkehr ist zu beschleunigen, betont der VCÖ.

VCÖ: Immer mehr Zweitautos in der Steiermark

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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