Tagung: „Qualzucht – Wenn Leben Leiden bedeutet“

Tierschutzombudsstelle des Landes Steiermark rückt Tierleid in den Mittelpunkt 

Graz (15. Oktober 2019).- Die Tierschutzombudsstelle Steiermark lud heute Vormittag (15.10.) in Graz zur Veranstaltung „Qualzucht – wenn Leben Leiden bedeutet“. Hochkarätige Referentinnen und Referenten aus Österreich und Deutschland beleuchteten die komplexe Thematik aus unterschiedlicher Sicht und diskutierten gemeinsam mit rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die ethische Frage, wann Zucht zur Qual wird. „Ich freue mich sehr, dass es mit dieser Fortbildung gelungen ist, wichtige Informationen zur komplexen Thematik der Qualzucht bei verschiedenen Tieren zu vermitteln. Qualzucht ist für die betroffenen Tiere mit erheblichem Tierleid und für die Tierhalterinnen und Tierhalter mit hohen Kosten verbunden. Besonders positiv hervorzuheben ist, dass im Rahmen der Vorträge auch konstruktive Lösungsvorschläge aufgezeigt wurden“, betonte Tierschutzombudsfrau Barbara Fiala-Köck in ihrer Begrüßung.Unter Qualzucht werden Züchtungen verstanden, bei denen vorhersehbar ist, dass sie für das Tier oder dessen Nachkommen mit Schmerzen, Leiden, Schäden oder Angst verbunden sind. In weiterer Folge können bei den Nachkommen klinische Symptome, wie zum Beispiel Atemnot, Bewegungsanomalien, Lahmheiten, Entzündungen der Haut, Haarlosigkeit, Entzündungen der Lidbindehaut und/oder der Hornhaut, Blindheit und vieles mehr auftreten. 

Nach dem Bundestierschutzgesetz ist es verboten, Tiere mit Qualzuchtmerkmalen zu importieren, zu erwerben, zu vermitteln, weiterzugeben oder auszustellen.Kritisch äußerte sich Gerhard Oechtering von der Universität Leipzig über den Schönheitswahn bei Hunde- und Katzenausstellungen und forderte ein grundlegendes Umdenken beim Konzept der „Schönheitsausstellungen“ und klare staatliche Regeln für die organisierte Hunde- und Katzenzucht. Auch bei der Zucht von Geflügel und Vögeln steht häufig eine reine „Schönheitszucht“ auf Farb-, Form- und/oder Verhaltensmerkmale im Vordergrund. Thomas  Bartels, ebenfalls von der Universität Leipzig, ging der Frage nach, inwieweit „züchterische Leistungen“ bei Rassegeflügel und Ziervögel dem Tierschutzgedanken beziehungsweise den Bedürfnissen der Tiere gerecht werden.

Josef Troxler von der veterinärmedizinischen Universität Wien beschäftigte sich mit der Qualzucht bei Nutztieren und zeigte in seinem Referat auch Lösungsvorschläge auf.Die Tierschutzombudsstelle hat zu dieser kostenlosen Veranstaltung Amtstierärztinnen und Amtstierärzte, praktizierende Tierärztinnen und Tierärzte, Hundetrainerinnen und Hundetrainer, Tierschutzvereine sowie Rassezuchtvereine und Tierheimbetreiber eingeladen. 
Gerhard Oechtering, Josef Troxler, Barbara Fiala-Köck, Kerstin Weich und Thomas Bartels gestalteten gemeinsam die interessante Veranstaltung (v.l.) 
© Foto: steiermark.at/Streibl
Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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