Landwirtschaftsministerium will „mittelfristig“ Vollspaltenverbot und Stroh für Schweine

VGT-Aktivist_innen sitzen jetzt gerade als Schweine verkleidet auf Stroh vor dem Ministerium, das ebenfalls zustimmt, dass Stroh die bessere Haltung für die Tiere ist.

Am 25. September wird im Parlament über drei Tierschutzanträge der Liste JETZT abgestimmt, darunter ein Verbot von Vollspaltenböden in der Schweinehaltung sowie eine verpflichtende Stroheinstreu und mehr Platz für die Tiere. Die Agrarlobby will eine Zustimmung des Parlaments verhindern und behauptet, es würde zu Importen von Schweinefleisch aus anderen Ländern kommen und abgesehen davon wären Vollspaltenböden ohne Stroh sowieso besser für die Tiere. Bei einem Gespräch hochrangiger Beamten im Landwirtschaftsministerium wurde dem VGT aber von dieser Seite bestätigt:

  • Mittelfristig ist ein Ende der Vollspaltenböden und eine verpflichtende Stroheinstreu allein schon deshalb notwendig, weil die österreichische Schweineproduktion mit den Großbetrieben in anderen Ländern, wie Deutschland oder Dänemark, in der Billigherstellung nicht mithalten kann, sondern auf Qualität statt Quantität setzen muss.
  • Stroh, vor allem als Beschäftigungsmaterial, würde das Schwanz- und Ohrenbeißen reduzieren, was notwendig ist, um das routinemäßige Schwanzkupieren, das in Österreich Praxis, aber EU-rechtswidrig ist, hintan zu halten.
  • Die konventionelle Schweinemast in Österreich, wenn sie an den Mindestvorgaben der entsprechenden Verordnung des Tierschutzgesetzes geführt wird, orientiert sich am EU-Mindeststandard und ist in keinem Punkt essenziell besser.
  • Das Vollspaltenbodenverbot in Dänemark und anderen EU-Staaten ist nicht ausreichend um als eine echte Verbesserung bezeichnet zu werden, ähnlich wie seinerzeit die ausgestalteten Käfige für Legehennen keine ausreichende Verbesserung der konventionellen Käfige waren. Der Fortschritt in Österreich muss diese Version überspringen und gleich mehr Platz und einen eingestreuten Liegebereich vorsehen, in dem alle Tiere gleichzeitig liegen können.

Bei der heutigen Aktion sitzen Tierschützer_innen als Schweine verkleidet auf Stroh vor dem Ministerium und halten Tafeln, mit denen sie darauf hinweisen, dass das Landwirtschaftsministerium ihnen in wesentlichen Punkten zustimmt. Da das am 25. September zur Abstimmung vorgelegte Gesetz eine Übergangsfrist von 10 Jahren vorsieht, ist nach Ansicht des VGT die Mittelfristigkeit der Umstellung erfüllt. Es gibt bereits eine immer größere werdende Nische von Betrieben mit Strohhaltung abseits der Biolinie, weshalb der Zustimmung zum Gesetzesantrag nichts im Weg stehen sollte – außer Klientelpolitik für die wenigen Agrargroßbetriebe, die nur an den kurzfristigen Profit denken. Das scheint die Motivation der FPÖ zu sein, ihre Zustimmung zu verweigern.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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