Sondernewsletter der Grünen Bad Aussee im August 2019


 
Liebe Ausseerinnen und Ausseer,
Liebe Freundinnen und Freunde des Ausseerlandes,

es ist kein tragischer „Einzelfall“, sondern typisch für unsere Politik und die mangelnde Menschlichkeit, die sich in ihr breit gemacht hat – daher widmen wir uns in diesem Newsletter ausschließlich dieser Geschichte.

Aagii, unser mongolischer Flüchtling, ist am Mittwoch, dem 28.8., mit seiner Frau Ariunaa und seinen drei Kindern Khuslee (9), Burnee (6) und Misheel (zehn Monate) aus seiner neuen Heimat in Bad Aussee gerissen worden. Um halb sieben in der Früh wurde die Familie ohne Vorwarnung abgeholt und hatte nur 15 Minuten Zeit das Aller-Notwendigste einzupacken – das erweckt Erinnerungen an ein düsteres Kapitel der österreichischen Geschichte, als Deportationen auf der Tagesordnung standen.  
Begleitet wurde die Familie auf ihrer unfreiwilligen Flugreise in ihr ehemaliges Heimatland, aus dem Aagii aufgrund seiner Verfolgung geflohen ist, dann von 9 (in Worten: neun) Polizisten und einem Arzt, deren einzige Aufgabe es war, die Reisepässe der Familie bei der Immigration vorzulegen. Aagii, selbst Polizist, hat mit seiner Familie vier Jahre und
10 1/2 Monate unbescholten in Bad Aussee gelebt. Wie viel der Aufwand den österreichischen Steuerzahlern gekostet hat, wird die parlamentarische Anfrage der NAbg. Stephanie Krisper am kommenden Montag zeigen.

Ausseer, die den immer freundlichen und hilfsbereiten Aagii und die schüchterne Ariunaa mit ihren beiden Spitzbuben und dem reizenden Baby ins Herz geschlossen haben, wollen jedenfalls rasch dafür sorgen, dass der Zwangsaufenthalt in der Mongolei möglichst kurz dauert und sie bald wieder in Bad Aussee, in Österreich, sind, das zu ihrer Heimat geworden ist.    

Der Zeitpunkt der Abholung war besonders perfide. Khuslee und Burnee, beide Asthmatiker, waren für Mittwoch, den 28. August, zu einer dringend notwendigen Kontrolluntersuchung in der Ambulanz der pulmologischen Abteilung der Universitäts-Kinderklinik in Graz bestellt. Da die Polizei den Kontrolltermin in der Universitätsklinik telefonisch abgesagt hat, ist klar, dass der Termin nicht zufällig gewählt wurde. War doch davon auszugehen, dass die weiteren medizinischen Befunde für die beiden Buben eine Abschiebung zumindest erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht hätten. Aagii wollte mit seinen Söhnen für den vereinbarten Klinik-Besuch mit dem Zug um 7.49 h nach Graz fahren.
Dazu kam es aber nicht. Als Chlodwig Haslebner, ein Freund der Familie, kam, um sie zum Bahnhof zu bringen, herrschte bereits große Konfusion: Ein Kleinbus und zwei Polizeifahrzeuge standen bereit, um die Familie abzuholen. Unter der Aufsicht von etwa acht Beamten, die zum Aufbruch drängten, stopften Aagii und Ariunaa noch einige Habseligkeiten in ihre Taschen. Für lebenslange Traumata der Buben, die sich wie alle Ausseer Kinder bereits auf die Schule gefreut haben, ist gesorgt.

Handys und Medikamente wurden der Familie abgenommen und los ging`s – in eine „Familienunterkunft“ wie es hieß, mehr war nicht zu erfahren. De facto war es ein Abschiebezentrum im 11. Wiener Gemeindebezirk, das einem Gefängnis glich, wie Aagii später erzählte. Eine halbe Stunde pro Tag durfte er sein Handy benutzen, dann wurde es ihm wieder abgenommen.
Die Medikamente wurden erst wieder verteilt, als der Amtsarzt seine Zustimmung dafür gab – offenbar traut das Innenministerium eher seiner Expertise, als der eines international renommierten Universitätsprofessors für Lungenheilkunde in Graz.
Die schwere Lungenerkrankung (COPD 2) von Aagii – die Befunde darüber lagen dem BFA (Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl) natürlich vor, wurde in keiner Weise berücksichtigt. Auch nicht, dass diese wahrscheinlich in Österreich weit besser (operativ) behandelt werden könnte, als in der Mongolei. Aagii war diesbezüglich für 5.September bei dem Leiter der Pulmologie an der Grazer Universitätsklinik bestellt.
Nun ist Aagii mit seiner Familie also in Ulan Bator, in der Mongolei, bei seiner Mutter zu sechst in einer Zweizimmerwohnung. Sein Haus hat er verkauft, um nach Österreich fliehen zu können, weil er in der Mongolei um sein Leben bangte. Seine Freundinnen und Freunde verwahren jetzt die in Aussee verbliebenen persönliche Gegenstände der Familie in der Hoffnung, ihr diese bald wieder in Aussee übergeben zu können. 
Aagii und seine Familie leben jetzt wieder in Angst um sein Leben in der Mongolei. 

In Aussee war die Familie voll integriert. Aagii durfte zwar nicht arbeiten, weil er Flüchtling war, hat aber – ob beim Narzissenfest, im Kammerhof oder bei der Räumung von Gehwegen, ausgeholfen, wo er konnte und er hat in Windeseile geradezu perfekt Deutsch gelernt.

Er und seine Familie wollten in Aussee bleiben, Aagii und Ariunaa haben bereits Arbeitsvorverträge und die Ausseer schätzen die Familie sehr. Bekanntlich haben sowohl der Gemeinderat als auch der Pfarrgemeinderat einstimmig für ein humanitäres Bleiberecht für die Familie gestimmt. Es ist nicht nachvollziehbar, warum diese Möglichkeit von den zuständigen Behörden und politischen Verantwortlichen völlig ignoriert wurde.

Nun wird eine junge Familie mit drei aufgeweckten kleinen Kindern, die hier bleiben will, geradezu gewaltsam aus dem Land geworfen. Eine leistungsorientierte Familie, die sich integriert hat, der Bildung und Ausbildung ihrer Kinder ein großes Anliegen ist und die sich in Österreich etwas aufbauen wollte – und das in Zeiten wo die österreichische Bevölkerung immer älter wird und akuter Mangel an qualifizierten Fachkräften herrscht.

Es ist für Fremde nicht leicht, sich in Bad Aussee zu integrieren. 
Aagii und seine Familie, die in den letzten Jahren Ausseer geworden sind, wurden brutal aus ihrer neuen Heimat herausgerissen und des Landes verwiesen. 

Nun geht es darum, Aagii und seine Familie dabei zu unterstützen, wieder zu uns zu kommen, damit  sie ihren Traum mit uns gemeinsam doch noch verwirklichen können. All jene, die sich gemeldet haben und dabei helfen wollen, können dies ideell (zum Beispiel durch Verbreitung dieser Information) und finanziell (Konto von Aagii: Steiermärkische Sparkasse, Altanshuluun Lkhamaa, IBAN: AT 39 2081 5000 4091 9854) tun.

Auf bessere Zeiten!

Elisabeth Welzig
Fraktionsvorsitzende der Ausseer Grünen
 
  
Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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