Frauen in der Schuldenfalle – mehr Prävention notwendig!

Die Privatkonkurse in der Steiermark nehmen zu. Drastisch ist der Zuwachs allerdings vor allem bei den Frauen, wie aus Daten der Schuldnerberatung hervorgeht. Unterstützung kommt daher von Soziallandesrätin Doris Kampus: Mit einer Reihe zielgerichteter Maßnahmen will sie die Frauen künftig vor der Schuldenfalle bewahren. „Gemeinsam mit der Schuldnerberatung führen wir die geldWERKstatt weiter, außerdem verstärken wir in Kooperation mit Frauenberatungsstellen einmal mehr die Prävention. Dafür stellen wir der Schuldnerberatung eigens zusätzliche 15.000 Euro zur Verfügung“, so die Landesrätin.

„Die Privatkonkurse in der Steiermark haben im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent zugenommen“, so Soziallandesrätin Doris Kampus. Auch die Schuldnerberatung berichtet von einem massiven Anstieg der Privatkonkurse: „Im Jahr 2018 hatten wir im Vergleich zu 2017 eine Zunahme von 48 Prozent – und der Trend hält weiter an. Heuer wurden alleine bis Juli 441 Privatkonkurse eröffnet, das sind um zehn Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres“, schlägt Geschäftsführer Christof Lösch in dieselbe Kerbe.
Besonders gravierend: der Geschlechterunterschied. Seit 2016 wird ein stetig steigender Frauenanteil bei den Privatkonkursen verzeichnet. „In absoluten Zahlen haben wir 2018 um 88 Prozent – in absoluten Zahlen 263 im Vergleich zu 123 Fällen – mehr Privatkonkurse für Frauen eröffnet, als 2016.“

Spurensuche: Gesetzesreform?
Grund für die Zunahme der Privatkonkurse sind unter anderem die Änderungen im Schuldenregulierungsverfahren, die bereits mit November 2017 in Kraft getreten sind. „War es Schuldnerinnen und Schuldnern mit geringem Einkommen oder sehr hohen Schulden früher de facto unmöglich, innerhalb von sieben Jahren mindestens zehn Prozent ihrer Schulden zu begleichen und so eine Restschuldbefreiung zu erzielen, haben heute mehr Betroffene Hoffnung auf ein Insolvenzverfahren“, informiert Lösch.

„Ich freue mich, dass mittlerweile mehr Menschen eine realistische Aussicht auf einen Neuanfang haben. Immerhin ist es eine meiner sozialpolitischen Grundüberzeugungen, dass sich jeder Mensch eine zweite Chance verdient“, so Soziallandesrätin Doris Kampus. Die Novelle der Privatinsolvenz und die Konjunktur würden allerdings nicht den drastischen Anstieg der weiblichen Privatkonkurse erklären: „Aus Erfahrung sind oft auch Arbeits- und Einkommenssituation, wie zum Beispiel Teilzeitarbeit oder Arbeitslosigkeit, maßgeblich an der Verschuldung der Frauen beteiligt.“

Tatsächlich haben 30 Prozent der Klientinnen der Schuldnerberatung nur das Existenzminimum zur Verfügung. „Das zeigt, dass es nach wie vor an den richtigen Rahmenbedingungen fehlt, damit Frauen Vollzeit arbeiten können, wenn sie es möchten. Dazu würden meiner Meinung nach mehr Kinderbetreuungsangebote und ein Mindestlohn von 1.700 Euro zählen.“

Selbstkritischer Blick
Auf der Suche nach den Gründen für den hohen Frauenanteil bei den Privatkonkursen befragte die Schuldnerberatung auch ihre Klientinnen nach den Ursachen für ihre jeweilige Verschuldung. „18 Prozent haben durchaus selbstkritisch angegeben, dass ihr Umgang mit Geld Grund für die Verschuldung ist. Für immerhin 17 Prozent der Frauen führte der Versuch, selbstständig zu werden, in die Finanzkrise.“ Besonders alarmierend: 17 Prozent der Frauen, aber nur 12 Prozent der Männer nannten eine Scheidung bzw. Trennung, elf Prozent der Frauen und nur drei Prozent der Männer eine Bürgschaft als Ursache. „Hier kann ich nicht genug zur Vorsicht mahnen. Vor allem bei Frauen, die aufgrund des Gender-Pay-Gaps ohnehin weniger verdienen als Männer, übersteigen bei solch einer Bürgschaft die Verpflichtungen oft die Möglichkeiten“, so Doris Kampus.

Erprobte und neue Maßnahmen
„Um die Frauen künftig vor der Schuldenfalle zu bewahren, wird die geldWERKstatt, ein Workshop, der Betroffenen ein eigenständiges Finanzleben ermöglicht, fortgeführt und verstärkt auf Prävention gesetzt. So entsteht in Kooperation mit Frauenberatungsstellen ein Vernetzungsprojekt, dass Frauen informieren, beraten und schulen soll“, so Kampus. Für die Abwicklung werden der Schuldnerberatung eigens 15.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Soziallandesrätin Doris Kampus baut gemeinsam mit Christof Lösch, Geschäftsführer der Schuldnerberatung, das Informationsangebot für Frauen in finanziellen Schwierigkeiten aus.
Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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