Städte werden zu Schwitzkästen – alarmierender Forschungsbericht der ETH Zürich!

Nachhaltigkeitslandesrat Seitinger fordert massiven Photovoltaikausbau insbesondere in den Städten.

Ein schockierender Bericht der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich von dieser Woche bringt zum Ausdruck, dass es insbesondere in den mitteleuropäischen Städten, somit auch den österreichischen Städten zu extremen Hitzebildungen in den nächsten 30 Jahren kommen wird. So wurde hochgerechnet, dass die Durchschnittstemperatur in Wien alleine um 7,6 Grad ansteigt und daher den bisherigen Durchschnittswert der nordmazedonischen Hauptstadt Skopje übertrifft. Oder anders gesagt: Dies ist eine gigantische Belastung für die Menschen sowie für alle Lebewesen in diesen Breitengraden.

Auch in Graz wird ein ähnlich hoher Temperaturanstieg zu erwarten sein und damit einhergehend auch der Kühlbedarf von Gebäuden dramatisch zunehmen. Daneben weisen auch die Mobilität sowie der gesamte sich rasch entwickelnde Elektrosektor enorme Strom-Steigerungsraten auf. Die Elektromobilität verzeichnet hohe Steigerungsraten von knapp 60 Prozent bei den Neuzulassungen und wird damit ein weiterer Treiber für den erhöhten Strombedarf sein. Die Belastungen für das Stromnetz nehmen somit immer weiter zu und lassen das Risiko für Blackouts exponentiell ansteigen. „Es ist keine Zeit mehr, darüber nachzudenken was wir tun könnten, die Klimakrise treibt uns den Schweiß bereits ins Gesicht und gefährdet unser bestehendes Ökosystem. Wir müssen jetzt Handeln und das mit Tempo“, so Nachhaltigkeitslandesrat Johann Seitinger.

Mindestens 50 Prozent der Dachflächen mit Photovoltaik

Die Nutzung smarter Energiesparsysteme in allen Anwendungsbereichen sowie eine rasante Weiterentwicklung von Speicherlösungen sind ein klares Gebot der Stunde, damit kurze Energiekreisläufe etabliert und unnötige Belastungen des 260.000 km langen Leitungsnetzes in Österreich vermieden werden können.Nachhaltigkeitslandesrat Johann Seitinger sieht daher in einem rasanten Ausbau der Photovoltaikanlagen auf Dachflächen, insbesondere in den Städten eine Chance, nicht nur die gigantische Zunahme des Stromverbrauchs zu neutralisieren, sondern auch dem Risiko eines Blackout-Szenarios massiv entgegenzutreten. So könnte sich Seitinger vorstellen, dass mindestens 50 Prozent aller Dachflächen von Wohn-, Büro- oder Gewerbe- und Industriegebäuden in Zukunft mit Photovoltaik bedeckt oder auch mit geeigneten Fassadensystemen ausgestattet werden. Weiters wäre es laut Seitinger auch denkbar diese „Solarverpflichtung“ auch in Form von Energiepartnerschaften zwischen Gebäudeeigentümern und Energieversorgern umzusetzen. Diese Lösungen wären für beide Seiten auch ökonomisch sinnvoll und würden bei den derzeitigen Ökostrom-Tarifen nicht einmal die öffentlichen Haushalte belasten. „Um solche Energiesysteme auch exakt planen zu können, bedarf es eines Updates des steirischen Energiekatasters im Bereich des Photovoltaikausbaues, der geeignete Flächen in Verbindung mit statischen Möglichkeiten ausweist“, soSeitingerAuch in Bezug auf den Flächenverbrauch findet es Seitinger wesentlich sinnvoller, Photovoltaikanlagen auf Dach- und Fassadenflächen statt auf landwirtschaftlichen Produktionsflächen zu errichten und damit auch das Landschaftsbild zu wahren.

Schweiz und Deutschland als Vorreiter

Für die Stadt Graz geht man davon aus, dass rund 40 Prozent der Dachfläche – das sind rund 14 Mio. Quadratmeter – für solare Nutzung herangezogen werden können. Beispielsweise gibt es eine derartige Verpflichtung bereits in der Schweiz, wo sogar Strafzahlungen vorgesehen sind, wenn sich der Bauherr nicht daranhält. Auch in Deutschland in der Stadt Konstanz oder in Tübingen existieren entsprechende Vorgaben. Ohne erneuerbare Lösungen im Bereich der dezentralen Stromversorgung werden die notwendigen Treibhausgaseinsparungen in Österreich von minus 36 Prozent oder das Ziel von 100 Prozent Strom aus Erneuerbaren bis 2030 nicht zu schaffen sein. Die Folgen werden daher nicht nur klimatische Katastrophen sein, die sich insbesondere im gesamten Naturkatastrophenmanagement auswirken werden, sondern auch volkswirtschaftliche Belastungen, die durch Strafzahlungen im Rahmen der Klimaabkommen zu leisten sein werden. Es ist daher wesentlich sinnvoller, jetzt zukunftsweisende Investitionen zu tätigen, die Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Inland schaffen und neue Arbeitsfelder im Bereich der Umwelttechnologie entstehen lassen, als Strafzahlungen in Milliardenhöhe ins Ausland zu transferieren. „Der Klimawandel ist unumstritten die größte Bedrohung für alle Lebewesen auf dieser Erde. Nur der Mensch hat es in der Hand, sofort Gegenmaßnahmen einzuleiten. Wer diesen Ernst jetzt nicht erkennt, ist nicht mehr ernst zu nehmen“, so Nachhaltigkeitslandesrat Johann Seitinger abschließend.

Nachhaltigkeitslandesrat Johann Seitinger © Lebensressort
Photovoltaikanlagen auf Hausdach ©  getty images
Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


error: (c) arf.at