ASFINAG: Mehr als zwei Drittel der Steirer halten auf Autobahn „nur nach Gefühl“ Abstand

Nah am vorderen Fahrzeug heißt auf den Autobahnen und Schnellstraßen leider auch oft nah am Unfall zu sein. Dennoch sind sich viele Lenkerinnen und Lenker des Risikos zu wenig bewusst, wie die IFES-Umfrage im Auftrag der ASFINAG (im Rahmen der aktuellen Kampagne „Zwei Sekunden entscheiden“) ergab. Auch die steirischen Autofahrerinnen und Autofahrer machen dabei keine Ausnahme. Mehr als zwei Drittel (exakt sind es 69 Prozent der Befragten) gaben an, sich beim Abstand zum vorderen Fahrzeug lediglich auf das Gefühl zu verlassen.
Dieses Gefühl ist aber eben trügerisch: Denn obwohl vier von fünf befragten Steirerinnen und Steirern der Meinung sind, ohnehin den richtigen Abstand zu halten, zeigt die Frage nach der tatsächlichen Entfernung zum vorderen Fahrzeug, dass dem nicht so ist. Etwa die Hälfte gab an, bei 130 km/h ungefähr vier Autolängen Abstand zu halten, also weniger als 20 Meter. Der richtige Sicherheitsabstand bei dieser Geschwindigkeit wäre aber 70 Meter.

Zwei Sekunden sind klare Empfehlung
Mindestens zwei Sekunden Abstand – das ist die klare Richtschnur und Empfehlung für mehr Verkehrssicherheit. Dieser Wert gilt unabhängig von der Geschwindigkeit: rund 70 Meter bei 130 km/h, bei 100km/h mindestens 50 Meter. Die Zeitspanne für Reaktion und Bremsweg wechselt stark nach Fahrer, Fahrzeug und Straßenzustand. Auch bei guten Sichtbedingungen und ausgeruhten Fahrerinnen und Fahrern kann mehr als eine Sekunde bis zum Tritt auf die Bremse (Reaktionszeit) vergehen, deren Mechanik dann erst die volle Kraft entfalten muss. Die zweite Sekunde dient also zum Ausgleich etwaiger Bremswegunterschiede.
Nur wer ausreichend Abstand hält, hat also überhaupt eine Chance, eine Kollision zu vermeiden. Dennoch halten sich wenige an diese Regel. Nur jeder zehnte befragte Steirer beziehungsweise Steirerin wendet diese Regel auch korrekt an. Fast die Hälfte kennt sie zwar, verwendet sie aber entweder gar nicht oder völlig falsch.

Dabei ist zu geringer Abstand für die klare Mehrheit der Verkehrsteilnehmer ein großes Ärgernis, sobald sie selbst betroffen sind. Mehr als 60 Prozent der Befragten gaben an, sich durch dichtes Auffahren und Drängeln anderer gefährdet zu fühlen. Das schlechte Gewissen drückt dabei aber immerhin 35 Prozent der befragten Steirerinnen und Steirer. Sie gaben zu, innerhalb der vergangenen Monate schon öfter anderen zu dicht aufgefahren zu sein.

Zuwenig Abstand: die gefährlichen Fakten
Die zentrale Unfallursache „zu wenig Sicherheitsabstand“ ist – nach Ablenkung – seit 2018 an zweiter Stelle der Unfall-Ursachen auf Autobahnen und Schnellstraßen. Laut Statistik Austria – die jüngste verfügbare Aufstellung zu den Unfallursachen – ereigneten sich 2018 knapp 2300 Unfälle mit Verletzten, bei 445 oder jedem fünftem Unfall war mangelhafter Sicherheitsabstand die zentrale Unfalldiagnose. Zu enges Hintereinanderfahren kommt damit noch deutlich vor Übermüdung, zu hohem Tempo oder Alkohol.
Im Vorjahr sind bei schweren Unfällen wegen mangelhaftem Sicherheitsabstand fünf Menschen ums Leben kommen, das ist jedes siebte Todesopfer. In Kombination mit Rasen, Alkohol und ganz besonders Unachtsamkeit ist zu wenig Abstand jedoch eine Mit-Ursache für fast jeden zweiten – auch tödlichen – Unfall im ASFINAG Netz.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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