ÖBB-Koralmbahn: Umweltpreis für „Einfall statt Abfall“ – Koralmtunnel-Ausbruchsmaterial sorgt für besseren Boden

Beim Koralmtunnel wird ein Großteil des Ausbruchsmaterials wiederverwendet. Mit einer innovativen Lösung können jetzt auch Feinteile für die Bodenverbesserung eingesetzt werden. Dafür erhielten die ÖBB 2018 einen Umweltpreis.

(Deutschlandsberg, 5.6.2019) Der Bau des 33 Kilometer langen Koralmtunnels ist in jeder Hinsicht ein Jahrhundertprojekt. Alleine auf steirischer Seite fielen mehr als acht Millionen Tonnen Tunnelausbruchmaterial an. Material, das sorgsam aufbereitet und zu großen Teilen wiederverwendet wird – etwa als Schüttmaterial für Lärmschutzwälle, Bahndämme, Filterkies oder Zuschlagstoff für Beton. Feinteile aus dem Aufbereitungsprozess konnten bisher hingegen kaum wiederverwertet werden. Ein innovatives Projekt der ÖBB soll das jetzt ändern.

Kleine Teile mit großer Wirkung

Die Grundidee: Feinteile könnten zur Verbesserung von land- und forstwirtschaftlichen Böden beitragen. Die ÖBB holten sich Unterstützung bei Fachexperten und starteten erste Versuche. ÖBB-Projektleiter Dietmar Schubel: „Dabei wurde festgestellt, dass die basischen Feinteile gut bei sauren und lehmigen Boden eingesetzt werden können. In weiterer Folge wurde das Material unter Laborbedingungen in unterschiedlichen Verhältnissen gemischt und die dadurch erzeugten Substrate getestet – mit Erfolg.“

Vom Labor aufs Feld

Mittlerweile gibt es sechs Freiland-Versuchsfelder im Bereich des steirischen Projektgebiets. „Hier werden die verschiedenen Substratmischungen unter realen Bedingungen getestet. Bepflanzt sind die Flächen mit einem Gräser-Klee-Gemisch und für die Region typische Baumarten“, so Schubel. Insgesamt drei Jahre lang werden die Entwicklungen genauestens beobachtet, verglichen und dokumentiert. 

Wegweisend für weitere Projekte

Die ÖBB blicken mit großer Spannung auf die Ergebnisse. Der Versuch könnte für kommende Infrastrukturprojekte wegweisend in Sachen ökologischer Materialbewirtschaftung sein. Einen ersten Umweltpreis gab es schon jetzt für den innovativen Zugang. 2018 wurden die ÖBB gemeinsam mit weiteren Experten mit dem Umweltpreis der Österreichischen Bautechnikvereinigung ausgezeichnet.

Graz-Klagenfurt in 45 Minuten

Rascher, bequemer und mitten durchs Bergmassiv der Koralpe. So sieht in Zukunft die Zugfahrt vom Uhrturm zum Wörthersee aus. Die schnellste Verbindung verkürzt sich mit der Koralmbahn von drei Stunden auf nur 45 Minuten. Die Weststeiermark und Südkärnten werden noch besser erreichbar – ebenso wie unsere Nachbarländer. Die Hochleistungsstrecke stellt ein Schlüsselprojekt der neuen Südstrecke dar und bindet die Regionen zwischen den Landeshauptstädten künftig international an.

ÖBB: Österreichs größter Mobilitätsdienstleister

Als umfassender Mobilitätsdienstleister bringt der ÖBB Konzern jährlich 474 Millionen Fahrgäste und 113 Millionen Tonnen Güter umweltfreundlich ans Ziel. Besonders klimaschonend sind die Bahnreisenden unterwegs. Denn 100 Prozent des Bahnstroms stammen aus erneuerbaren Energieträgern. Die ÖBB gehörten 2018 mit rund 96 Prozent Pünktlichkeit zu den pünktlichsten Bahnen Europas. Konzernweit sorgen 41.641 MitarbeiterInnen bei Bahn und Bus sowie zusätzlich rund 1.900 Lehrlinge dafür, dass täglich rund 1,3 Millionen Reisende sicher an ihr Ziel kommen. Strategische Leitgesellschaft des Konzerns ist die ÖBB-Holding AG.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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