Großes Interesse bei Bürgerversammlung über neues Leitspital. Sie wird wenige zufrieden stellen.

Ein randvolles Kurhaus gab es es bei der heutigen Bürgerversammlung über das neue Leitspital in Stainach. Den Diskutanten, an der Spitze Landesrat Drexler und KAGES Aufsichtsratsvorsitzender Dörflinger, schlug deutliches Misstrauen entgegen. Die Begrüßung war mit leichten Buhrufen begleitet. Absolut nicht fair, aber leider Tatsache.

Die Vortragenden

Die heutige Bürgerversammlung, moderiert von einem bemühten, aber nicht souverän wirkenden Mag. Karl Edegger, AHS – Lehrer in Stainach, brachte mehrere Vortragende auf die Bühne: LR Mag. Christopher Drexler, MBA Günter Dörflinger (Aufsichtsratsvorsitzender KAGES), Gesundheitsökonom Dr. Bernd Leinich (Geschäftsführer des Gesundheitsfonds Steiermark) , Dr Johannes Koinig (Vorsitzender der Qualitätssicherungskommission des Gesundheitsfonds Steiermark) , Dr. Michael Tripolt (Betriebsratsvorsitzender UKH Graz und Mitglied der Bundesleitung in der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft). Zu Beginn wurde in einer sehr langen Eröffnungsrunde dargestellt, was das neue Leitspital für Verbesserungen bringe: 230 Betten, alle Leistungen, die bisher angeboten wurden, gebe es auch dort, hinzu komme eine Kinderambulanz mit Beobachtungsbetten, eine neurologische Ambulanz. So ganz klug wurde man aber aus dem zukünftigen Leistungsangebot noch nicht, Details blieb man heute schuldig. Die Bettenreduktion im Bezirk wurde damit gerechtfertigt, dass es eben in der Medizin einen raschen Wandel gegeben habe, auch im Großraum Graz sei es laut Dörflinger zu einer Bettenreduktion von 2.000 auf 1.000 gekommen. Dass man für das neue Spital viele Fachärzte benötigen werde, war auch klar, woher die künftig kommen sollen, aber nicht. Drexler betonte, dass es weiterhin eine 24 Stunden Betreuung an 365 Tagen im Jahr geben werde. Für Bad Aussee garantierte er einen Notarzt, am bisherigen Standort solle es eine Primärversorgung geben, an Werktagen von 8-17 Uhr. Als besonders wichtig wurde von Drexler das neue Gesundheitstelefon 1450 bezeichnet, eine Anlaufstelle für jeden Steirer/jede Steirerin bei Notfällen.

Prekäre Ärztesituation im LKH Bad Aussee

Allerdings ist die Ärztesituation in Bad Aussee prekär: Primarius Dr. Miocinovic habe im letzten Monat 18 Nachtdienste gemacht. Es fehle an Ärzten. Warum? Da gingen die Meinungen auseinander: Ärztemangel von oben (Podium), ein LKH, dem die Schließung bevorstehe, werde keine neuen Ärzte anziehen, von unten (Publikum). Miocinovic meinte aber auch, dass wegen des Ärztemangels in Bad Aussee derzeit ein Leitspital die bessere Lösung sei. Jedenfalls sei der Betrieb der Chirurgie bei einer Erkrankung von Primarius Miocinovic nicht wirklich gewährleistet. Das neue Arbeitszeitgesetz für Ärzte verlange außerdem anderes.

Viele Fragezeichen

  • Das genaue Leistungsspektrum – fehlt
  • Woher die Ärzte kommen sollen – fehlt
  • Primärversorgung – keine klaren Auskünfte
  • Kostensituation im Gesundheitswesen: Keine Auskunft
  • Kooperation mit Oberösterreich: Keine Auskunft
  • Verkehr Trautenfels, Ennstalbundesstraße – Absichtserklärung
  • Lawinengalerie Trautenfels – Absichtserklärung

Klar war dagegen eines: Mit einem Herzinfarkt muss man nach Bruck, mit einem Schlaganfall nach Knittelfeld.

Merkwürdiges Zeitlimit

Dass man die Veranstaltung um 19.57 Uhr beendete, brachte viele ZuhörerInnen völlig auf. Es hätte noch viele Fragen gegeben. Somit versank das Ganze in Unzufriedenheit

Somit bleibt beim Verfasser dieser Zeilen ein schaler Nachgeschmack. Die Chance, Klarheit zu schaffen, wurde nicht genützt. Im Gegenteil – vieles was gesagt wurde, kann man glauben, oder auch nicht. Hilfreich war die heutige Bürgerversammlung nicht. Hinzu kamen auch unnötige Sticheleien („Wenn sie nach Liezen einkaufen fahren, dann können sie für ihre Gesundheit auch nach Stainach fahren“). Und schuld daran waren aber nicht die Bürgermeister der Region. Wie das nun die Volksbefragung im Bezirk Liezen am 7. April beeinflussen wird? Das kann man schwer sagen. Aber es ist auch egal, denn Landesrat Drexler hat ja schon vorher verlautbart, dass das neue Leitspital gebaut werde. Oder doch nicht?

Rainer Hilbrand

Nachtrag

In einer schriftlichen Auskunft vor der Bürgerversammlung in Bad Aussee wurde das Leistungsspektrum des neuen Leitspitals von Mag. Michael Koren gegenüber dem ARF wie folgt begründet und beschrieben:

Warum braucht man das Leitspital?

Die Gesellschaft verändert sich und die Medizin entwickelt sich. Immer weiter und schneller. Damit auch in Zukunft die beste Gesundheitsversorgung gewährleistet ist, müssen historisch gewachsene Strukturen den heutigen Anforderungen angepasst werden. 

Das neue Leitspital Region Liezen bietet Ihnen mehr medizinische Fachabteilungen als die bisherigen drei Spitäler in Bad Aussee, Rottenmann und Schladming zusammen. Durch das Zusammenführen der Kapazitäten im Leitspital kann die Anzahl der behandelten Patienten in jedem Bereich erhöht werden. Dadurch werden Eingriffe und Operationen öfter durchgeführt als bisher und die Behandlungsqualität durch größere Erfahrungswerte und mehr Routine nachgewiesenermaßen verbessert. Durch das breitere medizinische Angebot und die höhere Spezialisierung gibt es modernere Ausbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für Ärzte, was die Attraktivität des Bezirks für bereits ansässige und neue Ärzte erhöht.

Wenn alles so bleibt wie es ist, werden über kurz oder lang die aktuell bestehenden Krankenhäuser nicht mehr aufrecht erhalten bleiben können. Es ist jetzt schon sehr, sehr schwierig bestimmte Abteilungen so zu belassen, wie sie sind, weil das ärztliche Personal fehlt. Das gefährdet mittelfristig jedenfalls die Qualität der Versorgung. Es muss jetzt gehandelt werden, um die medizinische Versorgung zu aller Zufriedenheit zu erhalten. Die Medizin ist heute eine völlig andere als vor hundert Jahren, als diese Strukturen der Gesundheitsversorgung entstanden sind.

Welche Leistungen werden dort angeboten?

Im neuen Spital werden in Zukunft mehr Fächer angeboten werden, als heute an allen drei Spitälern zusammen.

      Akutgeriatrie und Remobilisation (Spezialmedizin für den älteren Menschen; z.B. nach Operationen eine rasche Wiederherstellung der Beweglichkeit)

      Chirurgie (Blinddarm, Gallenblasenoperation usw.)

     Frauenheilkunde und Geburtshilfe (wenn alle Geburten des Bezirks an einem Ort stattfinden, wird die Qualität noch besser werden)

      Innere Medizin inklusive Dialyse (Atmungsorgane, Herz-Kreislauf, Verdauungsorgane, Gefäßsystem, Nieren uvm.)

      Orthopädie und Traumatologie (schwere Unfälle, geplante Operationen an den Knochen und Gelenken, z.B. Hüftoperation)

     Palliativmedizin (Begleitung von Sterbenden, vor allem für Krebspatienten)

      Radiologie (Röntgen)

      Intensiv-Medizin für Erwachsene (bei lebensbedrohlichen Krankheiten, wie z.B. Herz-Kreislaufproblemen oder schweren Infektionen wie Lungenentzündung)

      NEU: ambulante und stationäre fachärztliche Versorgung für Kinder (eine Ambulanz für Kinder- und Jugendheilkunde). Wenn es medizinisch sinnvoll oder notwendig ist, kann das kranke Kind in einem Bett auch im Krankenhaus bleiben und wird von Kinderärzten versorgt. (Überwachungsbetten).

      NEU: ambulante Neurologie (Erkrankungen des Nervensystems, Schmerzbehandlung, Schlaganfallversorgung) und Zusammenarbeit mit der Abteilung für Innere Medizin und der Abteilung für Neurologie in Bruck an der Mur.

Wie wird das Leitspital finanziert?

Die Finanzierung ist gesichert. Es ist bloß die Frage zu klären, in welcher Form finanziert werden soll – über den Landeshaushalt oder in Form eines so genannten PPP-Modells („Public Private Partnership“: eine vertraglich geregelte Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen der Privatwirtschaft). Dabei handelt es sich um eine Formalität, die zum gegebenen Zeitpunkt von Gesundheitslandesrat und Finanzlandesrat gemeinsam zu entscheiden ist.

ARF – Fernsehbericht folgt

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Comments

  1. „Bürgerversammlung mit schalen Nachgeschmack“ – schreibt Dr. Rainer Hilbrand.
    Ja mehr noch! Die über 500 Personen im überfüllten Kurhaussaal fühlten sich verarscht, als die angekündigte nachfolgende Diskussionen nach 3 „Pflichtwortmeldungen“ und 5 Wortmeldungen aus dem Publikum vom schwachen Moderator Mag. Edegger abrupt abgebrochen wurde. Ich fragte anschließend LR Drexler, der sich ebenfalls erstaunt über den Abbruch der Diskussion zeigte, wieso er denn nicht Herrn Edegger sofort aufgefordert hatte, die Diskussion weiter zu führen? Drexler hatte doch noch das Mikrofon in der Hand! War es vielleicht eine abgesprochene Vorgangsweise?
    Auch gebe ich Dr. Hilbrand nicht recht, dass die Bürgermeister nicht Schuld daran waren, denn diese hatten bereits im Vorfeld der Schließung des Ausseer Krankenhauses zugestimmt und sich für das neue Leitspital in Stainach ausgesprochen – offensichtlich aber nicht wegen einer angeblichen Qualitätsverbesserung sondern weil es näher liegen würde als ein Leitspital in Rottenmann oder Schladming. Auffällig war auch, dass die Bürgermeister in der Versenkung verschwunden waren und nicht den Mut aufbrachten den Anwesenden zu begründen, warum sie für das Leitspital stimmen und der Schließung des Krankenhaus Bad Aussee zustimmen. Anders als der Bürgermeister von Schladming, der immerhin eine „tageschirurgische Versorgung“ im bestehend bleibenden Diakonissenkrankenhaus von Schladming durchsetzte!
    Und wieso haben die Bürgermeister nicht sofort die Fortführung der Diskussion im Kurhaussal gefordert, wie sie ja in der öffentlichen Kundmachung gemäß § 177 des Stmk. Volksrechtes vorgesehen ist und als Gemeindeversammlung „mit öffentlicher Diskussion“ angekündigt wurde! Die lauten Zwischenrufe und Aufforderung zur Diskussion aus dem frustrierten Publikum waren wohl nicht zu überhören!
    Neben der Selbstbeweihräucherung der 5 Experten am Podium über die Vorteile des neuen Leitspitals konnte man die Sorgen der Anwesenden über die künftige Gesundheitsversorgung im Ausseerland nicht zerstreuen – der Hinweis dass nach einer Rückenverrenkung oder einer Schnittverletzung einer Hausfrau beim Blumenpflücken ohnehin ein Notarzt 24 Stunden zur Verfügung stehe, wurde berechtigter weise mit Gelächter quittiert. Ebenso der Hinweis, dass man bereit sei zum Einkaufen nach Liezen zu fahren, dann könne man auch für die Gesundheit nach Stainach fahren. Provokant frech empfand ich dann auch die Belehrung der scheinbar hinterwäldlerischen Ausseer durch einen „Experten“ am Podium, der uns erzählte dass Australien ein sehr großes Land sei und dort sogar ein Arzt mit seinem Flugzeug weit über 1.000 Kilometer zu seinen Patienten fliegen müsse (oder auch umgekehrt), da ist die Entfernung nach Stainach doch wirklich zu akzeptieren!
    Abgeordneter Albert Royer aus Schladming zeigte auf, dass man im benachbarten Land Salzburg die Strategie von Leitspitälern nicht verfolge, sondern den Ausbau von den kleineren Krankenhäusern um die ländlichen Regionen weiter zu stärken und nicht zu schwächen!
    Beifall bekam jedoch Priamus Dr. Miocinovic, der ausführte mit welchem Engagement und Einsatz der Betrieb des Ausseer Krankenhauses aufrecht erhalten bleibt, aber aufgrund des Ärztemangels das Leitspital die bessere Lösung sei – aber er fügte auch hinzu, dass sich ein junger im Krankenhaus engagierter Arzt bereits ein Haus in Grundlsee gekauft habe…
    Es bleibt daher zu hoffen, dass möglichst viele Ausseer zur Volksbefragung am 7. April gehen und damit unterstreichen, dass sie für den Erhalt und Ausbau des Ausseer Krankenhauses stimmen!

  2. Vier Tage nach der Bürgerversammlung in Aussee hat sich der erste Ärger über die Abwicklung dieser Veranstaltung zwar gelegt, aber der latent vorhandene Widerstand zu einem Spitalsneubau in Stainach hat sich vervielfacht. Stainach stellt keine medizinisch begründbare Alternative zu den 3 bestehenden Spitäler dar. Die Standorte Aussee, Rottenmann und Schladming sind „kraftvoll“ genug und sie sind vor allem für alle im Bezirk Wohnortnahe erreichbar.
    Die Ärztemisere ist politisch zu verantworten und keinesfalls den bestehenden Standorten geschuldet, sowie das fälschlicherwise immer wieder behauptet wird.
    Den politischen Willen vorausgesetzt, sind alle medizinisch, fortschrittlichen Notwendigkeiten, mit geringen finanziellen Mitteln in die bestehenden 3 Spitäler zu integrieren.
    Gesundheitspolitik ist nicht zuletzt auch Umweltpolitik und dazu passt die Versiegelung weiterer Grünflächen und das damit verbundene erhöhte Verkehrsaufkommen keinesfalls.
    Das sollten sich vor allem die dem Spitalsneubau in Stainach das Wort redenden Bürgermeister gut überlegen und sich für den Erhalt unserer Krankenhäuser laut und deutlich aussprechen!

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