Der Kommentar des ARF zum Thema Leitspital hat Fragen aufgeworfen – hier die Antworten des Gesundheitsfonds Steiermark

Sehr geehrter Herr Dr. Hilbrand,

mit großem Interesse haben wir Ihren Kommentar vom 11. März 2019 gelesen. Darin schreiben Sie, dass Sie sich Auskünfte über einige Themenbereiche erwarten. Ich (Mag. Michael Koren) hoffe, im Folgenden Ihre Erwartungen weitgehend erfüllen zu können:

Warum braucht man das Leitspital?

Die Gesellschaft verändert sich und die Medizin entwickelt sich. Immer weiter und schneller. Damit auch in Zukunft die beste Gesundheitsversorgung gewährleistet ist, müssen historisch gewachsene Strukturen den heutigen Anforderungen angepasst werden. 

Das neue Leitspital Region Liezen bietet Ihnen mehr medizinische Fachabteilungen als die bisherigen drei Spitäler in Bad Aussee, Rottenmann und Schladming zusammen. Durch das Zusammenführen der Kapazitäten im Leitspital kann die Anzahl der behandelten Patienten in jedem Bereich erhöht werden. Dadurch werden Eingriffe und Operationen öfter durchgeführt als bisher und die Behandlungsqualität durch größere Erfahrungswerte und mehr Routine nachgewiesenermaßen verbessert. Durch das breitere medizinische Angebot und die höhere Spezialisierung gibt es modernere Ausbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für Ärzte, was die Attraktivität des Bezirks für bereits ansässige und neue Ärzte erhöht.

Wenn alles so bleibt wie es ist, werden über kurz oder lang die aktuell bestehenden Krankenhäuser nicht mehr aufrecht erhalten bleiben können. Es ist jetzt schon sehr, sehr schwierig bestimmte Abteilungen so zu belassen, wie sie sind, weil das ärztliche Personal fehlt. Das gefährdet mittelfristig jedenfalls die Qualität der Versorgung. Es muss jetzt gehandelt werden, um die medizinische Versorgung zu aller Zufriedenheit zu erhalten. Die Medizin ist heute eine völlig andere als vor hundert Jahren, als diese Strukturen der Gesundheitsversorgung entstanden sind.

Welche Leistungen werden dort angeboten?

Im neuen Spital werden in Zukunft mehr Fächer angeboten werden, als heute an allen drei Spitälern zusammen.

      Akutgeriatrie und Remobilisation (Spezialmedizin für den älteren Menschen; z.B. nach Operationen eine rasche Wiederherstellung der Beweglichkeit)

      Chirurgie (Blinddarm, Gallenblasenoperation usw.)

     Frauenheilkunde und Geburtshilfe (wenn alle Geburten des Bezirks an einem Ort stattfinden, wird die Qualität noch besser werden)

      Innere Medizin inklusive Dialyse (Atmungsorgane, Herz-Kreislauf, Verdauungsorgane, Gefäßsystem, Nieren uvm.)

      Orthopädie und Traumatologie (schwere Unfälle, geplante Operationen an den Knochen und Gelenken, z.B. Hüftoperation)

     Palliativmedizin (Begleitung von Sterbenden, vor allem für Krebspatienten)

      Radiologie (Röntgen)

      Intensiv-Medizin für Erwachsene (bei lebensbedrohlichen Krankheiten, wie z.B. Herz-Kreislaufproblemen oder schweren Infektionen wie Lungenentzündung)

      NEU: ambulante und stationäre fachärztliche Versorgung für Kinder (eine Ambulanz für Kinder- und Jugendheilkunde). Wenn es medizinisch sinnvoll oder notwendig ist, kann das kranke Kind in einem Bett auch im Krankenhaus bleiben und wird von Kinderärzten versorgt. (Überwachungsbetten).

      NEU: ambulante Neurologie (Erkrankungen des Nervensystems, Schmerzbehandlung, Schlaganfallversorgung) und Zusammenarbeit mit der Abteilung für Innere Medizin und der Abteilung für Neurologie in Bruck an der Mur.

Wie wird das Leitspital finanziert?

Die Finanzierung ist gesichert. Es ist bloß die Frage zu klären, in welcher Form finanziert werden soll – über den Landeshaushalt oder in Form eines so genannten PPP-Modells („Public Private Partnership“: eine vertraglich geregelte Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen der Privatwirtschaft). Dabei handelt es sich um eine Formalität, die zum gegebenen Zeitpunkt von Gesundheitslandesrat und Finanzlandesrat gemeinsam zu entscheiden ist.

Tritt die Diakonie als Investor auf?

Nein. Die benötigten Investitionsmittel werden entweder vom Land Steiermark direkt oder über eine PPP-Ausschreibung von einem externen Investor getragen.

Gibt es neben dem Leitspital auch noch ein DKH Schladming? Mit welchem Leistungsangebot?

In Schladming wird es ein Gesundheits- und ein Facharztzentrum geben. Darüber hinaus wird eine tageschirurgische Versorgung, betrieben vom Leitspital, bestehen.

Wie viel wird investiert?

Für den Bau des neuen Leitspitals werden 250 Millionen Euro – Preisbasis 2018 – investiert.

Welche Gründe will man kaufen?

Im Mai 2018 wurde bekannt gegeben, dass das neue Leitspital in der Gemeinde Stainach-Pürgg errichtet werden soll. Mehrere Grundstücke erfüllen alle Voraussetzungen eines geeigneten Standortes und stehen somit zur Auswahl. Derzeit wird intensiv verhandelt – eine zeitnahe Entscheidung ist zu erwarten.

Was wird an den bestehenden Standorten an Nachnutzung angeboten?

An den bestehenden Spitalsstandorten werden Gesundheits- und Facharztzentren entstehen. Konkret werden in Rottenmann und Schladming Facharztzentren eingerichtet. In Schladming wird darüber hinaus eine tageschirurgische Versorgung bestehen. In Admont, Liezen, Rottenmann und Schladming werden Gesundheitszentren entstehen. In Bad Aussee wird es ein Gesundheitszentrum mit fachärztlicher Erweiterung geben. Was die konkrete Gesamtnutzung der bestehenden Gebäude angeht, werden bis 2025 Lösungen zu finden sein. Mit der AMEOS Klinik am Standort Bad Aussee und der Diakonie in Schladming gibt es an zwei Standorten bereits potentielle Interessenten. Am schwierigsten gestaltet sich die konkrete Nachnutzungsfrage in Rottenmann. Aber auch hier wird es in etwa sechs Jahren – wenn die Nachnutzung schlagend wird – zu einer guten Lösung gekommen sein, davon bin ich überzeugt.

Mag. Michael Koren

Geschäftsführer

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Comments

  1. Sand in die Augen streuen!
    Wie immer sind es zu einem hohen Prozentsatz Wischi Waschi Antworten!
    Wozu eine Kinderstation tagsüber, wenn es in Bad Ischl eine vollwertige Kinderstation gibt!?
    Auch gibt Herr Koren keine Antwort über die Öffnungszeiten, bzw hat man die Ärzte schon bei der Hand, die im – dann alten LKH Bad Aussee arbeiten werden???
    Primärversorgungszentrum Eisenerz:
    Mo – Do 8 – 18.00 Uhr
    Fr 8 – 17.00 Uhr
    Das soll die Versorgung der Bevölkerung im Notfall sein?
    Noch immer keine Klärung wie das Notarztsystem funktionieren soll.
    Leider lassen sich ( abhängige) Mediziner und einige Printmedien( Werbeeinnahmen?) vor den Karren des Hr Drexler spannen.

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