VCÖ: Große Unterschiede bei Erreichbarkeit der steirischen regionalen Zentren mit Öffentlichem Verkehr

VCÖ für österreichweites Mindestangebot für ländliche Regionen nach Schweizer Vorbild

VCÖ (Wien, 4. März 2019) – Die Steiermark hat 30 regionale Zentren. Deren Erreichbarkeit mit dem Öffentlichen Verkehr weist sehr große Unterschiede auf, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Am besten erreichbar ist Bruck an der Mur mit über 200 Zughalten pro Werktag. Mit Eisenerz und Birkfeld gibt es aber auch zwei regionale Zentren, die nicht mit der Bahn erreichbar sind. Der VCÖ spricht sich für ein dichteres öffentliches Verkehrsnetz und häufigere Verbindungen aus. Nach Schweizer Vorbild soll es österreichweite Mindeststandards beim Bahn- und Busangebot geben. Die Steiermark ist gemeinsam mit Niederösterreich jenes Bundesland, das die meisten regionalen Zentren aufweist. „Gerade für Flächenbundesländer ist die Versorgung der Regionen mit einem guten öffentlichen Verkehrsangebot eine große Herausforderung. Aber die Schaffung dieses Angebots ist auch im bundesweiten Interesse. Denn Österreich kann seine Klimaziele nur erreichen, wenn auch die Mobilität in den Regionen klimaverträglicher wird“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. Bruck an der Mur ist in der Steiermark jenes regionale Zentrum, wo am häufigsten Züge halten, wie eine aktuelle VCÖ-Publikation zeigt. 201 Züge halten hier pro Werktag, zudem gibt es 18 Buslinien. Österreichweit weisen nur neun der 124 regionalen Zentren mehr als 200 Zughalte pro Tag auf. In der Steiermark liegt Leoben an zweiter Stelle mit 118 Zughalten und 18 Buslinien, vor Kapfenberg mit 106 Zughalten und 17 Buslinien und Gleisdorf mit 101 Zügen pro Tag und 22 Buslinien, berichtet der VCÖ. Österreichweit gibt es elf regionale Zentren, die nicht mit der Bahn erreichbar sind, zwei davon – Birkfeld und Eisenerz – liegen in der Steiermark. Weniger als 20 Zughalte pro Tag haben Bad Gleichenberg, Mariazell, Fürstenfeld, St. Gallen, Murau, Neumarkt und Gröbming. Eine Analyse der Österreichischen Raumordnungskonferenz zeigt, dass in einigen Bezirken mehr als die Hälfte der Bevölkerung mangelhafte öffentliche Verbindungen zum nächsten regionalen Zentrum haben. In der Südoststeiermark erreichen an Schultagen nur 37 Prozent der Bevölkerung ihr regionales Zentrum innerhalb einer halben Stunde mit Bahn oder Bus, an schulfreien Werktagen sogar nur 30 Prozent. Auffallend ist, dass selbst im Bezirk Graz Umgebung fast zwei Drittel der Bevölkerung die Stadt Graz, die als überregionales Zentrum gilt, nicht innerhalb einer halben Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht. „Diese Situation ist eine wesentliche Ursache für die täglichen Staus im Raum Graz. Und sie ist ein Zeichen, dass in der Vergangenheit bei der Siedlungspolitik in den Gemeinden Fehler begangen wurden. Zersiedelung führt dazu, dass viele kein gutes öffentliches Verkehrsangebot haben“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest. Österreich kann seine Klimaziele nur erreichen, wenn es auch in den Regionen mehr klimaverträgliche Alternativen zum Auto gibt. In den Regionen braucht es daher ein dichteres öffentliches Verkehrsnetz sowie häufigere Bahn- und Busverbindungen, auch an schulfreien Tagen und außerhalb der klassischen Pendlerzeiten. „Die Arbeitszeiten werden immer flexibler. Die Pendlerinnen und Pendler brauchen auch außerhalb der klassischen Pendlerzeiten ein gutes und regelmäßiges Angebot“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest. Vorbild ist aus Sicht des VCÖ die Schweiz, wo in und aus allen Orten, in denen mindestens 300 Personen wohnen, arbeiten oder eine Ausbildung absolvieren, es mindestens zwölf Busverbindungen pro Tag geben muss. Für Österreich wurden zwar im Jahr 2014 derartige Standards definiert, aber noch immer nicht flächendeckend umgesetzt. Das Potenzial zur Verlagerung von Autofahrten auf das Fahrrad ist auch in den Regionen groß, umso mehr als Elektro-Fahrräder immer beliebter werden. Rund vier von zehn Autofahrten in den ländlichen Regionen sind kürzer als fünf Kilometer. Voraussetzung für die stärkere Nutzung des Fahrrads ist eine gute Infrastruktur für den Radverkehr. „Hier ist es wichtig, dass die Gemeinden und Regionen beim Ausbau der Radinfrastruktur auch vom Bund stärker als bisher unterstützt werden“, so VCÖ-Experte Gansterer. 
Die VCÖ-Publikation „In Gemeinden und Regionen Mobilitätswende voranbringen“ ist beim VCÖ unter (01) 8932697 im Internet unter www.vcoe.at erhältlich

VCÖ: Österreichs am besten mit Öffentlichem Verkehr erreichbare regionale Zentren (Anzahl Züge pro Werktag / Anzahl Buslinien – Stand Februar 2019)
Wiener Neustadt: 495 Züge pro Werktag / 31 Buslinien
Baden: 356 / 15 Mödling: 270 / 25
Wels: 260 / 34
Amstetten: 226 / 21
Bludenz: 208 / 9
Vösendorf: 205 / 7
Bruck an der Mur: 201 / 18
Gänserndorf: 201 / 11

Quelle: VCÖ 2019
Erreichbarkeit der anderen regionalen Zentren der Steiermark:
Leoben: 118 Züge pro Werktag / 18 Buslinien
Kapfenberg: 106 /17
Gleisdorf: 101 / 22
Mürzzuschlag: 91 / 2
Leibnitz: 73 / 16
Kindberg: 60 / 12
Feldbach: 59/ 11
Judenburg: 58 / 9
Weiz: 50 /14
Kindberg: 50 / 4
Deutschlandsberg: 45 / 4
Köflach: 44 / 11
Voitsberg: 44 / 10
Zeltweg: 44 / 5
Liezen: 43 / 4
Schladming: 37 /10
Rottenmann: 26 / 2
Bad Radkersburg: 24/5
Hartberg: 23 / 24
Bad Aussee: 22/7
Gröbming: 19 / 6
Neumarkt: 19 / 6
Murau: 15 / 6
St. Gallen: 15 /1
Fürstenfeld: 14/16
Mariazell: 14 / 14
Bad Gleichenberg: 8/5
Birkfeld: 0 / 7
Eisenerz: 0 / 4
Quelle: VCÖ 2019

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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