Aus Österreich in den Dschihad: Und nun?

US-Präsident Donald Trump macht Druck auf Europa, gefangene IS-Kämpfer aus Syrien zurückzunehmen. Laut Innenministerium befinden sich derzeit etwas mehr als 100 österreichische Staatsangehörige in Kriegsgebieten. Was passiert mit ihnen? Was könnte man tun? Ein Versuch, die wesentlichen Fragen, die wir uns jetzt stellen müssen, zu beantworten.

Das Problem der „foreign fighters“, also Menschen, die sich im Ausland terroristischen Gruppen anschließen, ist in dieser Form ein neues. Es mangelt an Erfahrungen und „best practice“-Beispielen. Die Erkenntnisse aus Friedensbildung nach Bürgerkriegen – „post conflict societies“ und „nation-building“ – lassen sich nur beschränkt übertragen, weil der Umgang mit heimkehrenden und ideologisierten Kämpfern hier nicht im Zentrum steht. Dabei stellt sich eine Reihe von Fragen: wie viele Dschihadisten sind es genau? Wann kommen sie zurück und wie? Mit welchen Konsequenzen haben sie zu rechnen? Muss Österreich sie zurücknehmen? Könnte man ein eigenes Strafgericht errichten?

Wie viele Dschihadisten gibt es?

So genau lässt sich das nicht sagen. In Syrien und im Irak gibt es eine Vielzahl unterschiedliche Terrorgruppen. Im November 2017 sprachen die Vereinten Nationen noch von rund 40.000 Kämpfern aus 110 Ländern (neuere Zahlen dürfte es keine geben). Am bekanntesten und bedeutsamsten ist dabei der „Islamische Staat“. Obwohl er in den vergangenen Jahren nahezu sämtliche Gebiete verloren hat, schätzt ein UN-Bericht vom Februar 2019, dass ihm immer noch zwischen 14.000 und 18.000 aktive Kämpfer angehören.

Ausländische Kämpfer

Darunter befinden sich bis zu 3.000 „foreign fighters.“ Derzeit sind außerdem etwa 1.000 ausländische IS-Kämpfer im Irak in Gefangenschaft, rund 1.000 Kämpfer und 500 sonstige Angehörige („dependants“) befinden sich in den Händen von kurdischen Einheiten im Nordosten Syriens.

Wie viele Österreicher?

Wie viele Österreicher in Gefangenschaft sind und bald heimkehren könnten, kann allerdings weder das Innen- noch das Außenministerium sagen. Laut Innenministerium sind rund 320 Menschen aus Österreich ausgereist – beziehungsweise haben es versucht –, um sich „aktiv am Dschihad in Syrien und dem Irak zu beteiligen“, wie es das Innenministerium im Verfassungsschutzbericht 2017 ausdrückt. 60 dieser sogenannten Dschihad-Reisenden dürften ums Leben gekommen sein, 94 sind bereits nach Österreich zurückgekehrt und weitere 60 wurden an der Ausreise gehindert. Laut Innenministerium befinden sich etwa 100 Dschihadisten mit Österreichbezug im Irak und in Syrien. …..

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Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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