Addendum: „Feinstaub – Die Grenzwerte sind politisch motiviert“

Der Grazer Lungenfacharzt Horst Olschewski rechnet im Interview vor, dass im Wohnzimmer höhere Feinstaub-Konzentrationen erreicht werden als an stark befahrenen Straßen. Moderne Dieselmotoren sieht er als Teil der Lösung, nicht als Problem.Bild: AddendumFacebookTwitterMailWhatsappCopy Link

Horst Olschewski, Universitätsprofessor und Leiter der Abteilung für Pneumologie an der Uniklinik Graz, sagt, dass die gültigen Feinstaub-Grenzwerte politisch motiviert sind und keine wissenschaftliche Basis haben. Dennoch seien sie sinnvoll. Der Experte für Lungenheilkunde und Innere Medizin hat deshalb mit ähnlichen Anfeindungen zu rechnen wie sein Landsmann Dieter Köhler in Deutschland. Der Lungenfacharzt hat dort eine heftige Debatte über die Sinnhaftigkeit von Grenzwerten und Gesundheitsgefahren von Feinstaub ausgelöst.

Wir lernten Olschewski als besonnenen Wissenschaftler in Wien kennen, wo er am vergangenen Wochenende mit seiner Frau den Ärzteball besuchte. Bevor er sich in Schale warf, unterhielt er sich mit uns über moderne Dieselmotoren, Disco-Besuche im Feinstaub-Dunst und Fahrverbote.

Herr Olschewski, ist Feinstaub schädlich?

Horst Olschewski: Wir haben gute Daten über die vergangenen vierzig Jahre. Es gibt keine hundertprozentige Garantie für eine kausale Wirkung, aber der Zusammenhang ist dermaßen stark, dass ich keine Zweifel habe, dass Feinstaub gesundheitsschädlich ist.

Fürchten Sie sich vor dem Verkehrsfeinstaub?

Nein. Unser Verkehrsfeinstaub ist zwar signifikant, aber ich finde ihn nicht extrem. Es ist schon was anderes, wenn man in Hongkong oder in Peking auf der Straße ist. Im Vergleich dazu haben wir bei uns keine hohen Konzentrationen.
Außerdem ist die Feinstaubkonzentration in aller Regel in Innenräumen höher als draußen. In einem Haus, wo geraucht wird, haben wir typischerweise 500 Mikrogramm und mehr Feinstaub pro Kubikmeter Luft. Auf der Straße gilt ein Grenzwert von 50 schon als besorgniserregend. In einer verrauchten Diskothek werden Werte über 10.000 gemessen. Da fallen die Leute ja auch nicht sofort tot um

In Deutschland gibt bereits Fahrverbote für Diesel-Pkw, in Österreich wurde darüber gesprochen. Sind Fahrverbote sinnvoll?

Das ist letztlich eine politische Frage. Ich bin kein Politiker.

Industrie und Heizungen von Haushalten produzieren mehr Feinstaub als der Verkehr. Müsste man nicht eher da ansetzen?

Ich würde da keine Wertung hineinbringen. Ich würde sagen, wir haben diese drei Komponenten, die Sie genannt haben: den Hausbrand, die Industrie und den Verkehr. Alle drei Komponenten tragen ungefähr im gleichen Ausmaß bei. Wovon man mehr betroffen ist, hängt sehr davon ab, wo man wohnt. Ich glaube, es hat keinen Sinn zu sagen, da ist einer schuld und der andere ist unschuldig. Wir sollten uns bemühen, dass alle drei Komponenten dazu beitragen, dass wir sauberere Luft erhalten.

Sind Feinstaubgrenzwerte Ergebnisse objektiver Studien, oder sind sie politisch motiviert?

Feinstaubgrenzwerte sind politisch motiviert, daran gibt’s überhaupt keinen Zweifel. Man hat gesagt: Wir wünschen uns, dass es etwas sauberer wird, also setzen wir Grenzwerte fest, die etwas niedriger liegen, damit ein Druck auf den Verbraucher entsteht, auf die Industrie, auf die ganze Gesellschaft, um zu erzielen, dass die Luft sauberer wird. Im Prinzip, finde ich, ist das in Ordnung……..

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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