Arbeitsmarktbilanz 2018 im Bezirk Liezen

Arbeitsmarktservice Liezen

Ein weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit, steigende Beschäftigungszahlen und ein Plus an offenen Stellen, verbunden mit einem Fachkräftemangel nahezu in allen Branchen, sind die Bilanz des AMS Liezen über die Entwicklungen am regionalen Arbeitsmarkt im letzten Jahr.

Die Geschäftsstellenleitung des AMS Liezen, Helge Röder und seine Stellvertreterin Brigitte Wasmer zieht mit den beiden Zweigstellen im Bezirk in Bad Aussee und Gröbming eine durchwegs positive Bilanz über ein sehr bewegtes Jahr 2018 am regionalen Arbeitsmarkt. „Das Jahr 2018 endete so wie es angefangen hat – mit sinkenden Arbeitslosenzahlen. Besonders erfreulich ist, dass sich – trotz des Rückgangs der Arbeitslosigkeit im Vorjahr bereits um 6,8 Prozent – diese Entwicklung im Jahr 2018 mit 8,3 Prozent weiter fortgesetzt hat“, so das Kurzresümee von AMS-Leiter Helge Röder. „Mit dem Wirtschaftswachstum im Rücken profitierte auch der Bezirk Liezen bei den Beschäftigtenzahlen mit einem deutlichen Plus von 1,2 Prozent und über 33.000 unselbständig Beschäftigten.“

Rückgang der Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel in vielen Branchen

Die Zahl der Arbeitslosen ist mit 1.930 Personen im Vergleich zu 2017 um 175 oder 8,3 Prozent gesunken. Wie schon in den letzten Monaten kann der Rückgang verteilt über alle Personengruppen beobachtet werden und sowohl Frauen als auch Männer profitierten von dieser Entwicklung. Aufgrund der strukturellen Arbeitslosigkeit, wo Angebot und Nachfrage nicht zusammenpassen, hatten es vor allem jene besonders schwer wieder am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, die über keine abgeschlossene Ausbildung verfügten. Die regionale Arbeitslosenquote ist weiter zurückgegangen und beträgt aktuell 5,5 Prozent (minus 0,6 Prozent) und liegt damit deutlich unter dem Schnitt der Steiermark mit 6,3 Prozent. Der Anteil der Langzeitbeschäftigungslosen, das sind Personen die länger als ein Jahr arbeitslos vorgemerkt waren, ist von 309 auf 241 Personen merkbar gesunken.

Die stabile Wirtschaftslage brachte in der ganzen Steiermark und auch im Bezirk Liezen eine starke Nachfrage an Arbeitskräften mit sich. Der Jahresschnitt an freien Jobs betrug 1.086 (ein Plus von 86 oder 8,6 Prozent). Bis zum Jahresende wurden 6.350 freie Stellen mit Hilfe der AMS durch eine passende Arbeitskraft wieder besetzt. Mit einem speziellen Fokus auf wirtschaftsnahe Qualifizierungen wurden im letzten Jahr 1.144 Personen ausgebildet und höherqualifiziert. Deutsch oder EDV Kurse, Ausbildungen für den Tourismus oder den Handel, aber vor allem auch maßgeschneiderte Stiftungsausbildungen und arbeitsplatznahe Qualifizierungen, in direkter Abstimmung mit den heimischen Betrieben, waren Schwerpunkte im Rahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Im Juni startete die erste Ausbildung zur Pflegeassistenz im Rahmen der steiermarkweiten Pflegestiftung im Bezirk Liezen. Mit Projektarbeitsplätzen am zweiten Arbeitsmarkt wurde gemeinsam mit den Bildungspartnern und Gemeinden im Rahmen von Gemeinnütziger Beschäftigung und Sozial Ökonomischen Betrieben ein Beschäftigungsfeld unterstützt, das als Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt der freien Wirtschaft diente.

Am Lehrstellenmarkt konnte ein deutliches Plus mit 22,6 Prozent beim Zugang der offenen Lehrstellen und ein Rückgang an sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden um 23,6 Prozent beobachtet werden. 284 Jugendlichen die eine Lehrstelle suchten, standen insgesamt 461 Lehrstellen zur Verfügung.

Im Rahmen der Regionalentwicklung hat das AMS Liezen Projekte wie die Fortführung der Qualifizierungsverbünde zur Höherqualifizierung von Beschäftigten initiiert, aber vor allem auch Projekte als Kooperationspartner wie die BuK.li – die Berufs-und Karrieremesse, das Imageprojekt „Get a Job – deine Chancen in der Tourismus-und Freizeitwirtschaft“ oder überregionale Jobmessen begleitet.

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Existenzsicherung und gesellschaftliche Stabilität

Im letzten Jahr sind 8.735 Anträge aus dem Topf der Arbeitslosenversicherung für Leistungen wie Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe von den Mitarbeitern des AMS Liezen bearbeitet worden. Insgesamt wurde dafür eine Summe von knapp 27,8 Mio. Euro zur Existenzsicherung ausbezahlt. Die durchschnittliche Höhe des Tagsatzes von Arbeitslosengeld bzw. Notstandshilfe betrug dabei 30,90 Euro im Jahr 2018.

Um Sozialmissbrauch zu kontrollieren und entgegenzuwirken wurde im letzten Jahr ein Erhebungsdienst installiert.

„Neben der Kontrolle von Scheinwohnsitzen oder von geringfügigen Dienstverhältnissen, geht es dabei auch um Information und Prävention im Zusammenhang mit Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung“, erklärt die stellvertretende Leiterin Brigitte Wasmer. Durch die verstärkten Vermittlungsbemühungen und dem größeren Stellenangebot hat sich die Anzahl der Sperren des Arbeitslosengeldes wegen Nichtannahme oder Vereitelung einer zumutbaren Beschäftigung nahezu auf 142 Fälle verdoppelt.

Im Jahr 2018 waren insgesamt 7.883 Personen zumindest einen Tag von Arbeitslosigkeit im Bezirk Liezen betroffen, das bedeutet, dass nahezu jede vierte Person der unselbständig Erwerbstätigen einmal im letzten Jahr arbeitslos geworden ist. Mit den Aktivitäten im Bereich der Arbeitslosenversicherung sicherte das AMS Liezen nicht nur für zahlreiche KundInnen die persönliche Existenz während der Zeit der Arbeitsuche, sondern leistete mit den Vermittlungs- und Qualifizierungsaktivitäten auch einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Stabilität.

Ausblick für 2019

„Auch wenn laut den jüngsten Prognosen das Wirtschaftswachstum zu den Vorjahren abkühlen und geringer ausfallen wird, kann bei einer stabilen Entwicklung mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit gerechnet werden“, so Röder mit einer Prognose auf das neue Jahr. Herausforderungen sind und bleiben weiter der Fachkräftemangel und die Integration von am Arbeitsmarkt benachteiligten Personengruppen. Geringqualifizierte Personen, Ältere, Asylberechtigte oder auch Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen werden es weiterhin schwer haben, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. „Trotz der Einsparungen bei unserem Förderbudget werden wir durch gezielte und wirtschaftsnahe Qualifizierungen von Arbeitslosen einerseits arbeitsuchenden Personen eine neue Perspektive am regionalen Arbeitsmarkt bieten, aber auch dem Arbeitskräftemangel in vielen Branchen entgegen wirken“, betont Röder einen wesentlichen arbeitsmarktpolitischen Schwerpunkt für das Jahr 2019.

Eine aktuelle Arbeitsmarkttrendanalyse zeigt, dass auch die demografische Entwicklung für den Bezirk Liezen in naher Zukunft noch eine besonders große Herausforderung mit sich bringen wird. Bis 2030 wird ein Bevölkerungsrückgang um 4,6 Prozent prognostiziert und es gilt den Anteil der Erwerbsbevölkerung um rund 10 Prozent auf 84,1 Prozent in den nächsten Jahren im Bezirk Liezen zu steigern.

GZ

Eckpunkte der regionalen Arbeitsmarktentwicklungen im Jahr 2018:

Niedrigste Arbeitslosenquote seit über zehn Jahren

Nach dem deutlichen Rückgang im Vorjahr verzeichnete das AMS Liezen auch im Jahr 2018 im Jahresdurchschnitt einen Rückgang um 175 arbeitslose Personen, das entspricht einem Minus von 8,3 Prozent. Im Jahresschnitt 2018 waren 1.930 Personen im Bezirk arbeitslos gemeldet. Besonders erfreulich ist, dass die Arbeitslosigkeit bei allen Personengruppen zurückging: Jugendliche bis 25 Jahre minus 14,0 Prozent, bei Personen im Haupterwerbsalter minus 8,3 Prozent, Ältere über 50 Jahre minus 6,1 Prozent, Personen mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen minus 5,2 Prozent oder bei Personen mit einer anerkannten Behinderung minus 11,8 Prozent.

Geschlechtsspezifisch waren 958 Frauen (-51 oder -5,0 %) und 972 Männer (-125 oder -11,4 %) im Jahresschnitt von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Dynamik am Arbeitsmarkt zeigten auch die Zahlen der Zu- und Abgänge. Im Jahr 2018 sind 9.137 Personen (-385 oder -4,0 %) arbeitslos geworden. Im Gegensatz konnten auch 10.084 Arbeitsuchende (-1,6 %) ihre Arbeitslosigkeit beenden.

Die regionale Arbeitslosenquote ist um 0,6 Prozent gesunken und zählt mit 5,5 Prozent erfreulicherweise zu den niedrigsten in der Steiermark.

Entwicklung der Arbeitslosenquote

Beschäftigungswachstum hält weiter an

Die Zahl der Beschäftigten hat weiter zugenommen und ist um 1,2 Prozent auf 33.007 Personen (+ 642) angewachsen. Nach Branchen betrachtet gibt es im Bezirk Zunahmen vor allem in den Wirtschaftsbereichen Gesundheits- und Sozialwesen (+5,2 %), Bauwesen (+2,5 %), Produktion bzw. Herstellung von Waren (+2,2 %) und Beherbergung und Gastronomie (+1,7 %).

Veränderung der Beschäftigung im Vorjahresvergleich

Freie Jobs nahezu in allen Branchen

Auch wenn das Stellenangebot im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig gewesen ist, wurden dem Service für Unternehmen (SfU) des AMS insgesamt 6.444 Stellen (-12,8 %) zur Stellenbesetzung gemeldet. Der Personalbedarf zeigte sich nahezu in allen Branchen der heimischen Wirtschaft im Bezirk. Die größten Zugänge gab es vor allem in den Bereichen Beherbergung und Gastronomie, der Produktion in der Herstellung von Waren inkl. der Arbeitskräfteüberlassung sowie im Handel. 6.350 offene Stellen wurden 2018 mit einer passenden Arbeitskraft durch die Unterstützung der AMS-BeraterInnen, Online-Services oder anderen Vermittlungskanälen besetzt.

Mit gezielten Vertriebsaktivitäten wurde die Betriebsarbeit durch das Service für Unternehmen fortgesetzt. Insgesamt wurden von den SfU-Mitarbeitern 616 Betriebsbesuche vor Ort bei den Firmen durchgeführt, um Betriebe bei der Suche nach geeigneten Arbeitskräften zu beraten, um offene Stellen zu akquirieren, Personal zu vermitteln, aber auch um über aktuelle Dienstleistungsangebote und Fördermöglichkeiten zu informieren. 804 Stellen besetzten die BeraterInnen des Service für Unternehmen mittels einer Personalvorauswahl. Im Rahmen von KundInnenmeetings diskutierten AMS, Unternehmen und externe ExpertInnen bei zwei Veranstaltungen Themen rund um Arbeitsmarkt- und Personalentwicklung.

8,1 Mio. Euro an Förderungen und Qualifizierungen für den heimischen Arbeitsmarkt

Je niedriger das Ausbildungsniveau ist, desto höher ist die Gefahr arbeitslos zu werden bzw. zu bleiben. Im Bezirk Liezen verfügten im Jahresschnitt 643 Personen (ein Drittel der Vorgemerkten) über keine abgeschlossene Ausbildung oder Lehre, sondern maximal über einen Pflichtschulabschluss. Mit gezielten Aus- und Weiterbildungsangeboten qualifizierte das AMS Liezen 1.144 Personen, um die Integration am Arbeitsmarkt wieder zu unterstützen. Im letzten Jahr haben durchschnittlich 369 Personen (+5,9 %) eine Schulung besucht.

Mit den Angeboten der Impulsberatung für Betriebe und der Fortführung der Qualifizierungsverbünde lag auch im letzten Jahr wieder ein spezieller Schwerpunkt bei der Aus- und Weiterbildung von Beschäftigten.
Im Rahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik investierte das AMS Liezen für die Bereiche Beschäftigung, Qualifizierung und Unterstützung 8,1 Mio. Euro an Förderungen für Arbeitsuchende und heimische Betriebe.

Personen in Schulung

Lehrstellenmarkt – tolle Karrierechancen für die Jugend im Bezirk

Im Jahr 2018 waren durchschnittlich 23 Jugendliche (-7 oder -23,6 %) auf der Suche nach einer Lehrstelle. Dem gegenüber standen 124 offene, sofort verfügbare Lehrstellen (+15 oder +14,0 %). Die Schere zwischen Lehrstellensuchenden und freien Lehrstellenangeboten ist wieder größer geworden. Insgesamt wurden 461 Lehrstellen dem AMS gemeldet, um 22,6 Prozent mehr als im vorherigen Jahr, dem gegenüber suchten 284 Jugendliche (-34 Lehrstellensuchende) eine Lehrstelle über das AMS. Laut Wirtschaftskammer wurden von 439 Unternehmen insgesamt 1.264 Lehrlinge, um 32 mehr als im letzten Jahr, in der Region ausgebildet. 399 Jugendliche haben eine Lehre begonnen, das bedeutet eine Steigerung von 11 LehranfängerInnen zum Vorjahr.

Mit der BuK.li – der Berufs- und Karrieremesse für die Bildungsregion Liezen, organisierte das AMS mit Unterstützung der Kooperationspartner Wirtschaftskammer, Steirische Volkswirtschaftliche Gesellschaft, Steiermärkische Sparkasse und Regionalmanagement Bezirk Liezen auch im letzten Jahr in Bad Aussee, Gröbming und Liezen insgesamt drei Berufs- und Karrieremessen. 140 Aussteller informierten über die Vielfalt der Aus- und Weiterbildungsangebote in der Region und über die Karrieremöglichkeiten für junge Leute.

Asylberechtigte – Integration durch Arbeit und Qualifizierung

Die Personengruppe der Asylberechtigten bzw. Personen mit subsidiärem Aufenthalt ist im Vorjahresvergleich angestiegen, hatte jedoch keinen wesentlichen Einfluss auf die regionalen Arbeitsmarktentwicklungen. Im Jahresschnitt waren 51 Personen beim AMS Liezen vorgemerkt, das entspricht 2,2 Prozent aller Vorgemerkten. Aus arbeitsmarktpolitischer Sicht wurde die Integration für diese Personengruppe mit besonderen Beratungs-, Betreuungs-und Qualifizierungsangeboten wie der Arbeitsassistenz, dem Integrationspfad, Deutsch- und Wertekursen, aber auch durch Lehrausbildungen oder Projektarbeitsplätzen gefördert. 82 Personen schafften im Vorjahr den Sprung in ein Dienstverhältnis.

Aktive Gestaltung der regionalen Arbeitsmarktpolitik mit gelebter Sozialpartnerschaft

Die Umsetzung der regionalen Arbeitsmarktpolitik passiert gemeinsam mit den regionalen Vertretern der Sozialpartner: Arbeiterkammer, Österreichischer Gewerkschaftsbund, Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung. Im letzten Jahr wurden bei 4 Regionalbeiratssitzungen und jeweils 22 Ausschusssitzungen für die Bereiche Arbeitslosenversicherung sowie Ausländerbeschäftigung die Weichen für die Umsetzung des regionalen Arbeitsprogramms gestellt.

Steinberger Birgit
Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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