Lawine ist nicht gleich Lawine

Gefahr im Land derzeit groß / Gleitschneethema wird wichtiger / Auf Fahrten im freien Gelände unbedingt verzichten

Salzburger Landeskorrespondenz, 13.01.2019 

(LK) Gewaltig und unberechenbar – Lawinen gehören im Winter im Alpenraum zu jenen elementaren Naturereignissen, die jederzeit eintreten können. Speziell aber bei Wetter- und Schneeverhältnissen wie sie derzeit herrschen. Egal ob Schneebrett, Lockerschnee-, Nassschnee- oder Staublawine – alle sind extrem gefährlich.

„Fast im ganzen Land Salzburg herrscht heute große Lawinengefahr, entlang und nördlich der Tauern gilt Warnstufe 4. Im Verlauf des Tages wird die spontane Lawinenaktivität zunehmen. Wir haben eine heikle Triebschneesituation und vor allem das Gleitschneethema rückt jetzt in den Vordergrund. Hier sind auch größere Abgänge möglich. Eine heikle Situation für die Wintersportler, auch aufgrund sehr schlechter Sicht. Wir raten, auf Fahrten im freien Gelände unbedingt zu verzichten“, charakterisiert Norbert Altenhofer, Leiter des Salzburger Lawinenwarndienstes, die aktuelle Situation.

Unterschiedliche Lawinenarten

Lawine ist nicht gleich Lawine. Was ist nun der Unterschied? Hier eine Übersicht der häufigsten Arten:

Schneebrett

Schneebretter unterscheiden sich durch den Anriss, der in etwa quer zum Hang verläuft, von Lockerschneelawinen. Schneeschichten rutschen dabei auf einer Gleitschicht in die Tiefe. Der Begriff beschreibt, dass eine ganze Schneemasse „wie ein Brett“ auf einmal losfährt. Sie müssen nicht groß sein, um gefährlich zu werden. Sie erreichen schnell eine hohe Geschwindigkeit. Während des Verlaufs kann sich ein Schneebrett zu einer Staublawine umwandeln. Bei stärkeren Hangneigungen sind Schneebretter selten. Hier kommt es eher zu einer Staublawine. Man unterscheidet zwischen trockenen und nassen Schneebrettlawinen. Sie sind die klassische Gefahrenquelle für Skitourengeher und Freerider.

Staublawine

Staublawinen entstehen, wenn eine große Schneemasse einen steilen Hang hinabstürzt und dabei weiteren Schnee aufnimmt. Bei großer Fallhöhe und genügend Menge vermischt sich der Schnee mit Luft und es entwickelt sich eine Staubwolke. Staublawinen können bis zu 300km/h schnell werden und große Schäden anrichten.

Lockerschneelawine

Lockerschneelawinen breiten sich vom Auslösepunkt meist birnenförmig nach unten aus, indem der abrutschende Schnee – wie in einer Kettenreaktion – immer mehr Schnee mitreißt. Lockerschneelawinen lösen sich oft spontan. Sie gehen oft während oder kurz nach einem Schneefall oder bei starker Erwärmung ab. Vor allem bei nassem Schnee können sie in anhaltend steilem Gelände beachtliche Größen erreichen.

Nassschneelawine

Nassschneelawinen reißen häufig spontan los und lösen sich vor allem bei Regen oder nach einer tageszeitlichen Erwärmung. Der Hauptauslöser ist flüssiges Wasser in der Schneedecke, das Bindungen an Schichtgrenzen markant schwächt. Sie entstehen vielfach im Frühling.

Gleitschneelawine

Gleitschneelawinen haben wie Schneebrettlawinen einen breiten, linienförmigen Anriss, doch rutscht hier die gesamte Schneedecke ab. Das ist auf glattem Untergrund wie Gras oder Felsplatten möglich. Je steiler der Hang, desto eher gleitet der Schnee ab. Abgänge sind zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich.

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Christian Dick
Rainer Hilbrand

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