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17. Juli, 2017 um 10:42

Bei Männern im Alter von 20 bis 40 Jahren stellt das Hodenkarzinom die häufigste Krebserkrankung dar, wobei die Heilungschancen mittels Chemotherapie und Strahlentherapie sehr gut sind. Eine gefährliche Nebenwirkung der Therapie von Hodenkrebs ist die Thromboembolie. WissenschafterInnen der Med Uni Graz entwickelten mit KollegInnen aus der Schweiz ein klinisches Risikomodell und tragen damit wesentlich zur Verbesserung der Behandlung von Hodentumoren durch die Reduktion von gefährlichen Nebenwirkungen bei.

Hodenkarzinom: Thromboembolie als gefährliche Therapienebenwirkung

Rund 8 von 100.000 Männern erkranken jährlich an einem Hodenkarzinom, wobei die Erkrankung im Alter von 20 bis 40 Jahren häufiger auftritt als bei älteren Männern. Bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie liegen die Heilungschancen bei nahezu 100 Prozent, wobei je nach Art der Erkrankung Operationen, Strahlen- oder Chemotherapie angewandt werden. Vor allem bei der Anwendung der Chemotherapie besteht ab einem weiter fortgeschrittenen Stadium der Hodenkrebserkrankung ein erhöhtes Risiko, im Rahmen der Therapie eine Thromboembolie zu erleiden. Hier setzt ein interdisziplinäres Team der Med Uni Graz – Klinische Abteilung für Onkologie, Klinische Abteilung für Angiologie und Universitätsklinik für Urologie – gemeinsam mit KollegInnen vom UniversitätsSpital Zürich, Klinik für Urologie, an und präsentiert ein klinisches Risikomodell, um dem gefährlichen Gefäßverschluss zukünftig besser vorbeugen zu können.

Im Rahmen der Chemotherapie ist die Thromboembolie eine mögliche Nebenwirkung. “In einer retrospektiven Kohortenstudie wurden 657 Hodenkrebspatienten an der Med Uni Graz und 349 Patienten am UniversitätsSpital Zürich behandelt und untersucht. Das Vorliegen von Organmetastasen und große Lymphknotenmetastasen (ab einer Größe von 5 cm) konnten dabei als Risikofaktoren für das Auftreten von Thrombembolien identifiziert werden. In solchen Fällen liegt die Rate von thromboembolischen Ereignissen bei 15 – 20%, die es vorzubeugen gilt”, erklärt Dr.in Angelika Bezan, Klinische Abteilung für Onkologie, Med Uni Graz.

Die beiden nun identifizierten Marker wurden in einem Risikostratifizierungsmodell zusammengefasst, welches in der Schweizer Kohorte bestätigt wurde. Aufgrund dieser Daten könnte man Hodenkrebspatienten in solchen Stadien für die Zeit der Chemotherapie vorbeugend mit Blutverdünnungsspritzen behandeln, um einem lebensbedrohlichen Verschluss der Lungengefäße entgegenzuwirken.

Die Ergebnisse der interdisziplinären Arbeitsgruppe rund um Dr. Angelika Bezan,
Dr. Florian Posch, MSc, Dr. Michael Stotz, Klinische Abteilung für Onkologie (interim. Leitung a.o. Univ.-Prof. Dr. Herbert Stöger) und Assoz.-Prof. PD Dr. Thomas Gary, Klinische Abteilung für Angiologie der Med Uni Graz (supplierende Leitung a.o. Univ.-Prof. Dr. Marianne Brodmann), Univ.-Prof. Dr. Karl Pummer, Vorstand der Universitätsklinik für Urologie der Med Uni Graz sowie Dr. Christian Frankhauser, UniversitätsSpital Zürich, Klinik für Urologie, wurden aktuell in PLOS ONE veröffentlicht.

ESMO Fellowship

Ab dem 1. Oktober 2017 wird Angelika Bezan im Rahmen eines Translational Research Fellowship der European Society for Medical Oncology (ESMO) an der Drug Development Unit des Royal Marsden Hospital in Sutton/London wissenschaftlich arbeiten. Die Drug Development Unit des Royal Marsden Hospital ist das größte onkologische klinische Phase 1 Studienzentrum in Europa. Angelika Bezan wird im Rahmen des Fellowship vorerst für ein Jahr in London arbeiten.

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